Was ist eine Expositionsbehandlung?

Als Expositionsbehandlung wird eine bestimmte Form der Verhaltenstherapie bezeichnet. Sie wird auch Konfrontationsbehandlung, Expositions-Reaktionsmanagement oder Angsttherapie genannt. Die Expositionsbehandlung gilt als klassische Form der Verhaltenstherapie und wird besonders bei sozialen und spezifischen Phobien angewendet. Die Kerntheorie der Behandlung besagt, dass Phobien unwirksam gemacht werden können, wenn die Betroffenen in einer kontrollierten Situation dem Angst auslösenden Reiz ausgesetzt werden. Der Charakter des Angst auslösenden Reizes ist für die Behandlung zweitrangig. Deswegen werden über die Behandlung sowohl spezifische Phobien gegenüber einzelnen Objekten wie Spinnen, Kot, Abfall usw. als auch soziale Phobien gegenüber z.B. Menschenmassen, öffentlichen Plätzen, Schulklassen usw. behandelt. Die Behandlung wird von der modernen Psychoanalyse kritisch betrachtet, da zwar große Chancen auf eine schnelle Heilung bestehen, aber auch eine Verfestigung oder sogar Zunahme der Angstbeschwerden möglich sein können.

Wie ist der Ablauf einer Expositionsbehandlung?

Zunächst wird die Expositionsbehandlung in mehrere Formen unterteilt. Diese Unterteilung dient zur Verdeutlichung der verschiedenen Methoden. Es wird unterschieden zwischen einer langsamen und graduellen und einer schnellen, massierten Therapie. Bei der langsamen und graduellen Form wird mit dem Patienten eine sogenannte Angsthierarchie erarbeitet. Auf einer Skala von beispielsweise null bis zehn kann der Patient angeben, in welcher Situation er angstfrei ist und wann er das Höchstmaß an Angst empfindet. Anschließend wird der Patient nach und nach durch kontrollierte Expositionen dieser Angsthierarchie ausgesetzt. Begonnen wird diese Form der Therapie mit den niedrigsten angstauslösenden Reizen des Patienten und kann daraufhin nach und nach gesteigert werden. Weiterhin besteht hier auch die Möglichkeit, die Exposition bei erhöhten Beschwerden wieder zu verringern und dem Patienten somit die Kontrolle über den Ablauf der Therapie zu geben.

Die schnelle, massierte Form der Therapie verwendet gegenteilige Behandlungsmöglichkeiten und ist auch deswegen der eigentliche Gegenstand der psychoanalytischen Kritik: hier werden Patienten nach einer kurzen Absprache mit dem Therapeuten schockartig ihren schlimmsten Phobien ausgesetzt. Umgangssprachlich wird diese Form der Behandlung auch als "Schocktherapie" bezeichnet. Im medizinischen Vokabular wird diese Bezeichnung jedoch als abwertend bis beleidigend eingestuft und nicht verwendet.

Exposition "in sensu" und "in vivo"

Weiterhin wird auch in der Modalität unterschieden. So kann die Exposition "in sensu" oder "in vivo" stattfinden. Während "in vivo" die reale Konfrontation mit den Phobien meint, wird "in sensu" nur die Vorstellungswelt des Patienten aktiviert, um eine imaginäre Exposition mit der Phobie zu ermöglichen. Die klassische Form der langsamen, graduellen Expositionsbehandlung ist die systematische Desensibilisierung. Sie gilt als Urform der Behandlung und wurde von Joseph D. Wolpe in den 50er Jahren entwickelt. Hierbei liegt die zentrale Vorstellung zugrunde, dass sich körperliche Anspannung als auch Entspannung gegenüberstehen und somit ausschließen. Die systematische Desensibilisierung kombiniert darum verschiedene Entspannungstechniken, zum Beispiel die progressive Muskelentspannung, mit einer imaginären Exposition der vorliegenden Phobien um eine konditionierte Angsthemmung zu bewerkstelligen. Es wird also versucht, die Assoziation des Angst auslösenden Objektes mit körperlicher und emotionaler Anspannung, durch eine Assoziation mit körperlicher und emotionaler Entspannung zu ersetzen. Hierzu wird eine mehrfach gestufte Konfrontation in sensu verwendet, während der sich der Patient unter Zuhilfenahme von Entspannungstechniken in einem Ruhezustand befindet.

Techniken der Expositionsbehandlung

Aufbauend auf der systematischen Desensiblisierung bieten sich weitere Behandlungsmethoden an: das Habituationstraining nutzt die Grundtechniken der Systematischen Desensibilisierung und verwendet als Exposition nicht nur die imaginäre Konfrontation, sondern vermittelt dem Patienten eine direkte reale Konfrontation mit seinen Ängsten, z.B. durch Vorzeigen der Angst auslösenden Objekte in vivo während der Entspanungsphase. Das Flooding nutzt sowohl die Theorie der systematischen Desensibiliserung als auch des Habituationstrainings, wird aber wesentlich schneller ausgeführt. Beim Flooding wird die langsame, graduelle Herangehensweise durch eine schnelle, massierte Form und einer realen Exposition ersetzt.

Wann ist eine Expositionsbehandlung sinnvoll?

Eine Wirkung der Angsttherapie wurde durch mehrere Studien belegt. Besonders Phobien und Zwänge konnten erfolgreich behandelt werden. Bei anderen psychischen Erkrankungen zeigt die Behandlung jedoch keine nennenswerte Wirkung. Insbesondere die systematische Desensibilisierung kann sehr gute Erfolge bei Phobien und anderen Angststörungen vorweisen. Bei sozialen Phobien wie Platzangst (Agoraphobie) oder komplexer strukturierten Ängste kann die systematische Desensibilisierung hingegen nur marginale Behandlungserfolge vorweisen. Ebenso verhält es sich beim Habituationstraining. Positive Ergebnisse konzentrieren sich hier ebenfalls auf spezifische Phobien und Zwänge, der Anwendungsbereich ist im Habituationstraining jedoch weiter gesteckt. So können auch komplexe Ängste bei dieser Therapieform behandelt werden. Das Flooding kann ebenfalls positive Ergebnisse vorweisen und erweist sich insbesondere bei Platzangst und anderen spezifischen Phobien sehr wirkungsvoll.

 


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