Was bedeutet Helferberatung?

Helferberatung ist eine spezialisierte Form von psychologischer Beratung, die sich gezielt an Menschen in helfenden Berufen wendet. Zu diesen sogenannten helfenden Berufen zählen:

  • Ärzt*innen und Notärzt*innen
  • Gesundheits- und Krankenpfleger*innen
  • Rettungssanitäter*innen und Rettungsassistent*innen
  • Physiotherapeut*innen
  • Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen
  • Drogen- und Suchtberater*innen
  • Lehrer*innen
  • Altenpfleger*innen
  • Erzieher*innen
  • Seelsorger*innen*
  • Bewährungshelfer*innen und viele weitere.

Diese Berufsgruppen unterliegen bei ihrer täglichen Arbeit oftmals hohen emotionalen Belastungen und haben daher einen erhöhten Bedarf an kompetenter Hilfe und Unterstützung. Die spezialisierte Helferberatung soll dazu dienen, vorhandene Konflikte und Wünsche in Bezug auf die berufliche Tätigkeit als Helfer*in in einem geschützten Rahmen ansprechen zu können, und dauerhaft zu mehr beruflicher und privater Zufriedenheit zu gelangen. Wichtig ist, dass das „Helfer*in sein“ von Anfang an als Thema der Beratung gelten darf, ohne dabei tabuisiert oder gar pathologisiert zu werden („Helfersyndrom“).

Was leistet die Helferberatung?

Das Angebot der Helferberatung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die psychologische Beratung und Begleitung Einzelner. Sie kann genauso als fester Baustein in der Mitarbeiter*innenfürsorge von Institutionen und Einrichtungen genutzt werden. Ein zentrales Stichwort in diesem Zusammenhang ist z.B. die Burnout-Prophylaxe für Angehörige der helfenden Berufe. Mitunter können auch die flexiblen Arbeitszeiten (Schichtdienst) und spontan auftretende akute Belastungssituationen (z.B. Tod ein*er Klient*in) besondere Rahmenbedingungen für einen effektiven Beratungsprozess notwendig machen. Diesem kann eine allgemeine psychologische Beratung und Therapie schon auf Grund der äußeren Rahmenbedingungen oft nur begrenzt Rechnung tragen.

Voraussetzungen und Methoden der Helferberatung

Methodisch ist die Helferberatung im Bereich der Psychologischen Beratung bzw. der Allgemeinen Lebensberatung angesiedelt. Das Spektrum reicht von tiefenpsychologisch orientierten Verfahren, der Arbeit mit dem inneren Kind, über gestaltpsychologische Elemente bis hin zu systemischer Beratung, Aufstellungsarbeit, Rollenspiel und Imagination. Entscheidend ist, dass sich die Klient*innen im Laufe des Beratungsprozesses vorübergehend von ihrer Helfer*innenrolle lösen, und die Hilfestellung Anderer für ihr momentanes Thema annehmen kann/können. Dabei sind regressive Methoden meist effektiver als kognitive Verfahren, die leicht dazu verführen, gemeinsam über das Problem zu „fachsimpeln“. Wer eine Helferberatung in Anspruch nimmt, der hilft seiner Helfer*innenpersönlichkeit dabei, zu wachsen und zu reifen, um aus der Erwachsenenperspektive heraus wieder besser und zufrieden stellender helfen zu können als zuvor. Blockierende Anteile des eigenen Helferwunsches werden wertneutral angeschaut und ggf. mit Erfahrungen der Lebensgeschichte oder Berufsgeschichte in Verbindung gebracht. Nicht alles, was blockiert, muss schlecht sein, es kann auch ein Schutz sein!

Abgrenzung der Helferberatung zur Supervision und zu anderen Beratungsangeboten

Vielfach wird im Zusammenhang mit der Helferberatung die Frage gestellt, wie diese sich gegenüber der Supervision abgrenzt, welche in den meisten psychosozialen Berufen heute selbstverständlich praktiziert wird. Auch die Abgrenzung zur allgemeinen psychologischen Beratung bzw. Psychotherapie scheint notwendig. Brauchen Menschen in helfenden Berufen denn tatsächlich eine spezielle, womöglich bessere Form der Beratung als andere? Sind Helfer*innen etwa hilfloser als Menschen in anderen Berufen, was die Lösung ihrer eigenen Probleme angeht? Zum Thema Supervision lässt sich sagen, dass diese sich in der Regel auf den beruflichen Kontext beschränkt, und Themen aus dem privaten Bereich dabei nur am Rande angeschnitten werden. Der Inhalt von Supervision ist eher die praktische Arbeit, die Rollen- und Beziehungsdynamik zwischen Mitarbeiter*innen und Klient*innen, die Zusammenarbeit im Team oder auch in der Organisation als Ganzes. Hier spielen die Motivation des Einzelnen für einen bestimmten Beruf oder die Identifikation mit Idealen und Werten, die einzelne Berufe auszeichnen, eine weniger große Rolle.


Wenn Menschen, die in helfenden Berufen tätig sind, eine psychologische Beratung oder Therapie in Anspruch nehmen, begegnet ihnen nicht selten seitens der Therapeut*innen oder Berater*innen ein gewisser methodischer Vorbehalt. Dies gilt insbesondere dann, wenn der selber ausgeübte Beruf sich im nahen Umfeld von Psychotherapie oder Beratung bewegt, und möglicherweise Überschneidungen mit der eigenen fachlichen Tätigkeit zu erwarten sind. Von Helferberater*innen wird keine bessere oder qualifiziertere Beratung angeboten als von anderen Fachkolleg*innen auch – aber sie haben diesen Rollenkonflikt von Anfang an fest im Blick, was mitunter viel Zeit und Ressourcen für den eigentlichen Beratungsprozess freihält. Auch könnte man sagen, dass der Klient bzw. die Klientin, welche*r sich für eine Helferberatung anmeldet, ein gutes Stück der therapeutischen Vorarbeit schon geleistet hat. Er oder sie sucht bereits gezielter nach Hilfe, weil die Ahnung vorhanden ist, dass in der Wahl des helfenden Berufes ein Stück des eigenen Konfliktes erkennbar und damit lösbar sein kann.

Autor: Volker Dornheim


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