Achtsamkeit als Leben im HIER und JETZT

Wenige Worte bringen es auf den Punkt - bei Achtsamkeit geht es um das lebendige Erleben des HIER und JETZT. Immer mehr Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Achtsamkeitsübungen die Gesundheit des Übenden positiv beeinflussen können und dazu beitragen, die Lebensqualität zu steigern. Im Kern geht es beim Achtsamkeitstraining darum, sich seiner momentanen Gedanken, Gefühle sowie Empfindungen bewusst zu sein. Es geht um den wohlwollenden und fürsorglichen Umgang mit sich selbst und darum, die Gegenwart so anzunehmen, wie sie gerade ist. Derzeit weltweit wohl am häufigsten auf Wirksamkeit in Bezug auf Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit erforscht wird, das vom US-Molekularbiologen Jon Kabat Zinn in den siebziger Jahren entwickelte MBSR-Programm (Mindfulness-based-stress-reduction). So wurde in Studien z.B. beobachtet, dass achtsame Menschen sich eher motivieren können Sport zu treiben, dem Verlangen nach Süßem und Fettigem besser widerstehen können und bereit sind, mehr Selbstverantwortung für ihr Leben zu übernehmen.

Achtsames Innehalten – das Tautropfenprinzip

Eine persönliche Momentaufnahme kann über das achtsame Innehalten erfolgen. Der Übende richtet hierbei seine Aufmerksamkeit nacheinander auf seine derzeitigen Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und auf seinen Atem. Sinnbildlich gleicht dies dem Blick auf einen Tautropfen. So wie sich im Tropfen die ganze Umgebung spielgelt, so bietet das Innehalten einen Raum für die mehrdimensionale Selbstwahrnehmung und Selbstbegegnung. Es gilt, das Achtsamkeits-Prinzip wertfrei anzunehmen, was beobachtet wird.

Achtsamkeit im Alltag – einfach aber nicht leicht

Neben klassischen Methoden wie Atemübungen und Meditationen bieten sich zum Üben alltäglich wiederkehrende Ereignisse an wie z.B. Händewaschen, Essen, Trinken oder Lesen. Hierbei verhält es sich so, wie bei allen anderen zu erlernenden Tätigkeiten. Fortschritt bzw. ein erweitertes Körperbewusstsein kommt durch Regelmäßigkeit und Ritualisierung. So übt der der Musiker seine Noten, der Tänzer seine Schritte, der Sprachschüler seine Vokabeln und der Jogger dreht seine Runden. Ein Beispiel für eine alltagstaugliche Übung besteht im Händewaschen: Ablauf: Hahn auf – Seife drücken – Wassertemperatur fühlen – Hahn zu – Hände aneinander reiben, bis Seife Blasen bildet – Blasen glitzern sehen – Seife riechen – Hahn auf – Seife abspülen – Hahn zu – Hände abtrocknen. Einfach die Hände waschen, mit voller Aufmerksamkeit auf das Erleben des Händewaschens.

Achtsamer Lebensstil – Lernen, auf den Lebenswellen zu reiten

Einen achtsamen Lebensstil zu kultivieren heißt, die Wellen des Lebens nicht aufhalten zu wollen, sondern zu lernen, darauf zu reiten. Wer Wellen am Meer beobachtet, der stellt schnell fest: Wellen kommen und gehen. Jede Welle gibt es einmal. Keine Welle wiederholt sich auf genau dieselbe Art und Weise, in genau demselben Moment. Das Phänomen der Wellen ist vergleichbar mit dem menschlichen Leben. Jeder Lebensmoment ist einmalig. Nichts lässt sich festhalten. Nichts wiederholt sich genauso wie zuvor. Das Lebensrad dreht sich kontinuierlich weiter. Wird das Leben voller Eile gestaltet und geht dabei der Kontakt zum Selbst verloren, kann das Leid verursachen. Achtsame Menschen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit vollem Bewusstsein ihre Entscheidungen treffen und zu diesen stehen. Auf den Lebenswellen zu reiten kann also gelingen, wenn die Verantwortung für das eigene Leben geduldig und Schritt für Schritt übernommen wird. Achtsam sein heißt, in Angelegenheiten das zu sehen, was sie sind. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Hierbei geht es um das Loslassen von Interpretierungsversuchen, warum etwas ist, wie es ist. Sich frei machen von hilflos machenden Gedankenströmen und diese versuchen zur Ruhe zu bringen. Lieben was ist heißt, sich bzw. den anderen zu verstehen. Sich bzw. dem Gegenüber trotz eventueller Widrigkeiten zu vergeben und dies unter dem Motto „es ist, wie es ist“ für einen persönlichen Wachstumsprozess nutzen zu können.

Achtsamkeit und Klärung bringt Klarheit

Achtsamkeitstraining kann eine Chance sein, durch ein lebendiges Selbstbewusstsein das rechte Maß in den verschiedensten Lebensbereichen zu finden. Achtsam sein heißt, ich nehme mich und meine Umwelt unerschrocken wahr. Dabei entscheide ich mich bewusst für die Interpretation der Wirklichkeit unter dem Gesichtspunkt: „Sind meine Gedanken Tatsachen?“ Damit kein Ego-Trip entsteht, macht es Sinn, seine Gedanken- und Gefühlswelt mit dem sozialen Umfeld zu teilen. Ausgetauschte Worte und Körpersignale helfen, die Gedankenspiralen zu entwirren. Das Achtsamkeits-Prinzip „Klärung bringt Klarheit“ kann also wie ein Riss gesehen werden, der Licht in die Dunkelheit bringt.

Fazit: Achtsamkeit heißt, sein einzigartiges Leben als Geschenk zu sehen und dieses aus dem Herzen heraus voller Präsenz anzunehmen. Also ein Mittel zum Wundern = ein Wundermittel!

Autorin: Dipl. oec.troph. Ute Weber


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